«Die Schweiz im Ausland repräsentieren zu dürfen, ist ein Highlight für mich»

Man könnte ihm stundenlang zuhören. Seine Lebenserfahrungen füllen ein Buch, seine Geschichten, die er erzählt, sind prall gefüllt mit faszinierenden Erlebnissen, traumhaften Ländern, in denen er gewohnt hat und einer bunten Berufsbiografie. Die Gäste im Pop-up House of Switzerland dürfen sich freuen über so viel Lebensweisheit. Denn Alfred Keller ist dort Gästebetreuer – und das mit Herz und Seele. Wir haben uns mit ihm über seine Arbeit unterhalten.

Alfred, wie bist du an den Job des Gästebetreuers hier im Haus gekommen?

Als gebürtiger Schweizer habe ich 30 Jahre in Davos gelebt, meine Frau und ich betrieben dort 10 Jahre lang ein Hotel. Anfang dieses Jahres sind wir nach Lenningen gezogen, im  Kreis Esslingen, zehn Kilometer südlich von Kirchheim/Teck. Meine Frau und ich haben dort ein Haus gekauft und betreiben dort mitterweile ein ein Café für Inklusion und verschiedene Kulturen, das nur sonntags geöffnet hat. Als Exil-Schweizer bekomme ich regelmäßig die Newsletter der Schweizerischen Botschaft in Berlin. Und dort stand eines Tages drin, dass Gästebetreuer für das «Pop-up House of Switzerland» gesucht werden. Auf diese Anzeige habe ich mich gemeldet.

So einfach?

Nach dem Vorstellungsgespräch hatte ich eigentlich schon abgesagt, da der Job auch Abendschichten beinhaltet hätte. Das hätte ich zeitlich nicht hinbekommen. Ich pendle ja jeden Tag nach Lenningen und die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin dauert für mich von Stuttgart etwa zwei Stunden. Öffentliche Nahverkehrsmittel statt eines Autos zu nutzen ist mir wichtig, da ich so die Umwelt entlaste.

Aber dann?

Aber dann ist man mir beim Schweizerischen Generalkonsulat in Stuttgart entgegengekommen: Ich könne ja überwiegend Morgenschichten übernehmen. Daraufhin habe ich sofort zugesagt.

Warum hat dich die Stelle als Gästebetreuer so interessiert?

Ich habe ja früher auch als Reisebegleiter in Graubünden gearbeitet, und schon damals habe ich gemerkt, dass mich der Umgang mit Menschen fasziniert. Und jetzt die Schweiz im Ausland repräsentieren zu dürfen, das ist ein Highlight für mich. Soziale Kompetenz – das ist meine Stärke, würde ich sagen. Das ist auch das Schöne hier im Team der Gästebetreuer. Das Team ist sehr aufgabenorientiert, überhaupt nicht hierarchisch. Jeder darf seine Fähigkeiten und Kompetenzen voll zur Entfaltung bringen.

Wie erlebst du die Gäste hier?

Wenn man anderen Menschen mit Zuneigung und Freundlichkeit begegnet, sind sie auch toll und freundlich zu einem – so erlebe ich das hier. Es macht mir Freude, Klischees über die Schweiz zu widerlegen – die gibt es leider immer noch. Einmal sagte eine Frau zu mir: «Ich dachte immer, die Schweizer sind überhaupt nicht gastfreundlich, aber Sie haben mich vom Gegenteil überzeugt.»

Hier im Haus gibt es ja verschiedene Ausstellungen, jede Woche ein reichhaltiges Programm und viele Attraktionen. Was ist dein Lieblingsstück?

Ich muss an dieser Stelle mal ehrlich zugeben: Früher mochte ich Drohnen nicht sehr. Jetzt habe ich meine Meinung geändert: Die Schweizer Drohne „Elios 2“, die hier in einer Art Voliere untergebracht ist, ist mein absolutes Lieblingsstück. Die Drohne kann ja von den Besucherinnen und Besuchern geflogen werden, und ich merke, wie mich die Technologie der Drohne jedesmal fasziniert. Das ist Technologie, die aus der Schweiz kommt – wir sind ja einer der führenden Technologie- und Innovationsstandorte weltweit. Ich erkläre den Besuchern auch dann gerne jedes Mal, dass die Einsatzbereiche der Drohne so unterschiedlich sind – von der Landwirtschaft über die industrielle Inspektion und die Kartierung bis hin zu humanitärer Hilfe.

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