«Einfach machen!»: Wie sich junge Landwirtinnen und Landwirte aus Baden-Württemberg und der Schweiz für die Zukunft wappnen.

Als Daniel Hasler sein Unternehmen startete, hatte er keine Ahnung. Sagt er selbst. Wie baut man einen Onlineshop für die Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten auf? Wie funktioniert das eigentlich genau mit der Direktvermarktung? Beide Male musste der 26-Jährige sich selbst gegenüber eingestehen: «Ich habe keine Ahnung.» Aber sein Ehrgeiz überwiegte. «Ich mach’ das jetzt», sagte er sich. Heute, ein paar Jahre später, brummt das Geschäft. Es läuft alles virtuell ab – über Haslers Website «Dänus Hofprodukte» – Direktvermarktung von Gemüse, Eiern und Milch ab Hof. Um das Angebot zu erweitern, hat Hasler mehrere Bauernhofbetriebe aus der Gegend eingebunden.

Die Gegend – das ist rund um den Bauernhof der Haslers in Walterswill im bernischen Oberaargau. Es ist eine Gegend wie gemacht für die Landwirtschaft. Und davon hatte Daniel Hasler natürlich jede Menge Ahnung von Anfang an, jedenfalls von den analogen und nicht-digitalen Dingen der Branche. Seine Eltern führen den Bauernhof seit er denken kann, 16 Hektar Futterbau in der Bergzone gehören dazu, auch eine Milchproduktion von 18 Kühen.

Liegt die Zukunft der Landwirtschaft also im Digitalen, in der Direktvermarktung? Die Antwort lautet: Ja auch, aber nicht nur, wie bei der Veranstaltung «Die Zukunft der Landwirtschaft» im Pop-up House of Switzerland klar wurde. Organisiert hatte das Event der Schweizer Bauernverband, gemeinsam mit dem Landesbauernverband in Baden-Württemberg.

In einer Podiumsdiskussion mit Junglandwirtinnen und – wirten aus Baden-Württemberg und der Schweiz stellte sich schnell heraus: Um sich die für die Zukunft zu wappnen, braucht es Tatkraft, Mut und Offenheit für Neues – auch in dieser Branche.

So wie bei dem 37-jährigen Markus Läpple aus dem Kreis Heilbronn. In Ilsfeld btreibt er- gemeinsam mit den Eltern seinen 215 Hektar grossen Betrieb, sein Getreide vermarktet er über den regionalen Landhandel und Genossenschaften, das Gemüse unter anderem über die Konservenindustrie. Läpple sagt: «Die Direktvermaktkung und das Geschäftsmodell, so wie es Daniel Hasler betreibt, ist supergut, aber es passt nicht für jeden Betrieb.» Er wolle in die berufliche Zukunft mit Offenheit und Spontaneität gehen – vor allem gegenüber seinen Grosskunden wie der Konservenindustrie. Wenn die ihm sage: «Komm Markus, nächstes Jahr wollen wir mal diese oder jenes ausprobieren», dann sei er dabei. Sofort. Dieses gute Verhältnis zu den Kunden sichere ihm die Zukunft. «Nur am Ende muss es sich für mich auch rechnen», betont er.

Ina Zwicker, Landwirtin aus dem Kreis Göppingen, setzt – ebenso wie Daniel Hasler – auf die Direktvermarktung. Neben dem landwirtschaftlichen Betrieb mit 60 Milchkühen, den sie gemeinsam mit ihrem Vater bewältigt, bietet sie auch Speiseeis an – hergestellt aus der eigenen Milch. «Ich war nach meinem Studium der Agrarwirtschaft auf der Suche nach etwas, was wir dem Milchviehbetrieb hinzugeben können und das zukunftsträchtig ist.» Am Ende der Suche vor einigen Jahren stand die Idee, die eigene Milch mittels eines Milchautomaten zu vetreiben – Rohmilch zum Selbstabfüllen, lautet immer noch das Motto. Mittlerweile ist daraus das «Roßwälder Milchhäusle» erwachsen, mehrere Automaten, an denen man auch Gemüse, Grillfleisch und eben Speiseeis bekommt.

Neues auszuprobieren: Dafür sind die meisten Landwirtinnen und – wirte immer zu haben, bestätigt Flavia Ursprung, die beim Betrieb des Partners und des Schwiegervaters in spe in Seengen gerne aushilft, wie sie sagt, die aber die meiste Zeit im Vorstand des Schweizerischen Bäuerinnen und Landfrauenverband arbeitet. «Unsere Weiterbildungskurse – zum Beispiel in Social Media – werden gut angenommen», berichtet sie.

Eröffnet wurde der Abend von Horst Wenk, dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg und Urs Schneider, dem stellvertretenden Direktor des Schweizer Bauernverbands. Beide machten ihren Referaten auf die aktuelle Situation der Landwirtschaft im jeweiligen Land aufmerksam. «Die Bevölkerung ist oft viel zu weit weg von der heutigen Landwirtschaft – und trotzdem wollen viele mitreden», kritisierte Wenk. Urs Schneider machte Hoffnung: «Es gibt hohe Sympathiewerte in der Schweiz für die Landwirtschaft.»

Hohe Symathiewerte in der Bevölkerung für die Landwirtschaft – darauf lässt sich aufbauen, wie dann in der Podiumsdiskussion mit den jungen Landwirtinnen und -wirten aus Baden-Württemberg und der Schweiz klar wurde.

Klar wurde aber auch: Jeder, der sich eine berufliche Zukunft in der Landwirtschaft aufbauen will, muss ihren oder seinen eigenen Weg finden.

Oder eben wie Daniel Hasler aus Walterswill sagt: «Innovative Bauern werden immer einen Weg finden.»

Es könnte das Motto des Abends gewesen sein.

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